Die Sehnsucht nach der geheimnisumwobenen Natur wird die
Menschen nie verlassen. In dieser Sehnsucht wurzelt auch der Wandertrieb. Er
führt Jung und Alt in den Wald und auf blumige Matten, durch stille Täler und
auf sturmdurchbrauste Gipfel, über wildschäumende Flüsse und in die
Sonnenglut der Gletscher. Überall in der Natur ist dem Geist und der Fantasie
unbegrenzter Raum gegeben. Man kann sich in unendlichen Weiten bewegen, aber
zugleich auch das Allernächste sehen und es zu ergründen suchen, um
schliesslich nützliche Erkenntnisse zu gewinnen.
Die Gründer der Naturfreunde - Bewegung waren unzweifelhaft
von solchen Empfindungen beseelt. Gleichzeitig sind ihnen aber auch die
drückenden Fesseln der damaligen, sehr schlechten sozialen Lage ihres Standes
bewusst gewesen. Deshalb ist die Entstehung des Touristenvereins Die
Naturfreunde mit den politischen, wirtschaftlichen und sozialen
Freiheitskämpfen der Arbeiterschaft sehr eng verbunden.
In seinen Bestrebungen, die Arbeiter aus ihren dumpfen
Wohnungen und den rauchgeschwängerten Lokalen in die freie Natur
hinauszuführen, gelang in Wien dem Volksschullehrer Georg Schmiedel am
28. März 1895 die Gründung einer touristischen Gruppe, die an der
ersten Versammlung vom 18. April des gleichen Jahres den heute noch gültigen
Namen Die Naturfreunde wählte. Diese Idealisten ahnten natürlich noch
nicht, damit den Grundstein einer später fast weltumspannenden Organisation
gelegt zu haben.
Aposteln gleich, gab es schon früh Mitglieder, welche die
neuen Ideen verbreiteten und auf ihrer damals üblichen "Walz" da und
dort neue Ortsgruppen gründeten. So entstand am 2. Juli 1905 in Zürich die
erste Sektion in der Schweiz, welche gleichzeitig die erste ausländische
Ortsgruppe war.
Die Idee der Naturfreunde - Bewegung hatte somit die Grenzen
der europäischen Nationalstaaten übersprungen und die Zahl der begeisterten
Mitwanderer wurde immer grösser. In Österreich, in der Schweiz, in
Deutschland, in der Tschechoslowakei, in Ungarn, Polen, Italien, Frankreich,
Belgien, Holland, in den Skandinavischen Staaten, in den USA, ja sogar in Sydney
wurden Ortsgruppen des Touristenvereins Die Naturfreunde gegründet.
Am 21. Mai 1910 wurde die Sektion Horgen gegründet. Zu ihr
gesellten sich auch Genossen aus der Region Wädenswil. Schon bald wurde der Ruf
nach einer eigenständigen Sektion in Wädenswil laut. Erste Ansätze für eine
eigene Ortsgruppe wurden 1914 aber vom damaligen Gauvorstand wegen ungünstigen
Verhältnissen abgelehnt. Es wurde aber eine "Zweigstelle Wädenswil"
geführt, welche am 8. April 1914 bereits 9 Mitglieder verzeichnete. Ihre
Zusammenkünfte fanden jeden 1. + 3. Freitag im Monat statt. Die Zweigstelle
wurde von der Muttersektion Horgen mit einem Seil und einem Pickel ausgerüstet.
Am Treffen vom 5. Februar 1915 in der Sonne Wädenswil wurde
beschlossen, die künftigen Wädenswiler Versammlungen in einem Protokollbuch
aufzuzeichnen. An dieser Versammlung nahmen 8 Naturfreunde teil und setzten
damit den Grundstein für eine eigenständige Ortsgruppe, welche 2 Jahre später
an der eigentlichen Gründungsversammlung ihren Anfang gefunden hat.
In dieser Chronik sind die wichtigsten Ereignisse aus der
Vereinsgeschichte zusammengetragen. Karl Zeller hat in grosser Arbeit versucht,
erwähnenswerte Vorkommnisse aufzuschreiben. Grundlage dazu dienten die
Protokollbücher und Jahresberichte.
Jürg Frei